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"Professionelle Tüftler" im Interview

Elke Stangl und Sigi Proyer haben sich auf Regelungstechnik spezialisiert.

Elke Stangl und Sigi Proyer betreiben ein Ingenieurbüro im Burgenland und unterstützen ihre Kunden unter anderem beim Bau eines individuell angepassten Wärmepumpensystems.

Dieses selbst entwickelte System "LEO_2" ist mehr Dienstleistung als Produkt, wird es doch immer an die Gegebenheiten bei und Wünsche der Kunden angepasst und von den beiden ausschließlich "aus der Ferne" betreut. Den großen Teil ihrer Arbeit macht die "forensische Arbeit" aus, die Fehlersuche in Bestandsanlagen, der Umbau von Hydraulik und Regelung zur Effizienzsteigerung oder die Unterstützung beim Heizungstausch.

Sie bezeichnen sich selbst als „Physiker und professionelle Tüftler“. Was darf man darunter verstehen?
Unter ‚Tüfteln‘ verstehen wir: Herausfinden wie etwas im Detail funktioniert und mit diesen Erkenntnissen eine eigene kreative Lösung schaffen – wenn möglich unter Verwendung von vorhandenen Komponenten –  wie Macgyver. Vor vielen Jahren haben wir als Wissenschaftler im Forschungslabor Experimente ausgetüftelt und Steuerungen programmiert – heute unterstützen wir andere Tüftler bei ihren Projekten.

Sie unterstützen Ihre Kunden beim Bau eines individuellen Wärmepumpensystems. Können Sie das Konzept kurz erklären?
Unsere Kunden sind technische ambitionierte Selberbauer, die ihr Wärmepumpensystem Schritt für Schritt selbst errichten. Eine vorhandene Heizungsanlage wird eingebunden und ein  Erdkeller (Zisterne / Schwimmbecken…) zur Wärmequelle umgebaut. Wir liefern detaillierte Bauanleitungen für den Wärmetauscher in diesem Tank und den Schlauchkollektor (Energiezaun), und wir begleiten das Projekt ausschließlich ‚aus der Ferne‘ – inklusive der gemeinsamen Inbetriebnahme in einer Online-Session. Ein wesentlicher Teil unserer Leistungen ist die Programmierung der Regelungslogik abgestimmt auf das System des Kunden.

Das hört sich relativ komplex an. Was sind die Vorteile dieses Systems?
Genau, dass es kein standardisiertes ‚System‘ / ‚Produkt‘ ist, sondern eine individuelle Dienstleistung. Unsere Kunden stoßen auf uns, weil sie gezielt nach einer Möglichkeit suchen, eigene Ideen für die Wärmequelle umzusetzen – und vor allem, weil Sie selbst die Kontrolle über die Details ihrer Heizung haben möchten und keine unzugängliche ‚Blackbox‘ als Steuerung.

Es ist also nicht immer „Ihr“ Konzept mit WP, Eisspeicher und Energiezaun. Sie unterstützen Ihre Kunden auch generell in der Umsetzung eigener Ideen oder einfach bei Problemen mit der Heizung. Sowohl regelungstechnisch, aber auch was das grundlegende Konzept (zB der Hydraulik) betrifft. Sehe ich das richtig?
Ganz genau! Mittlerweile steht die ‚Regelungs- und Hydraulik-Forensik‘ im Mittelpunkt. Typisches Beispiel: Eine Heizungs-/Solaranlage funktioniert nicht wie erwartet oder der Kunde möchte die Anlage erweitern. Er stößt aber bei der Analyse des Anlagenverhaltens, den Eingriffsmöglichkeiten in die bestehende Regelung und beim ‚Herstellersupport‘ an seine Grenzen. Wir erstellen dann ein Konzept für die neue Regelung inkl. evtl. nötiger Hydraulikänderungen, und programmieren die UVR. Das Wichtigste ist die Anlauf- und Optimierungsphase die wir über Fernwartung laufend überwachen.

Zur Regelung nutzen Sie die UVR16x2 und das C.M.I. für Fernzugriff und Datenlogging. Wie sind Sie auf die Geräte gestoßen (zu Beginn war es ja noch die UVR1611) und warum verwenden Sie nicht etwas anderes?
Wir haben damals in unserem Pilotprojekt nach einer günstigen Regelung gesucht, die alle Komponenten im Heizkreis und die Wärmequelle nach unseren Anforderungen managen kann und die wir selbst programmieren können. ‚Industrielösungen‘ erschienen uns als Overkill, aber andererseits wollten wir uns auf eine ‚gewartete Softwareplattform‘ verlassen und nicht eine Steuerung von Null weg programmieren.

Der Umstieg von der UVR1611 auf die x2 Technologie mit UVR16x2 bzw das RSM610 fällt vielen Kunden aus Zeitgründen oder dem häufigen Respekt vor Neuem schwer. Was war für Sie der Hauptgrund für den Umstieg?
Zuerst war die 16x2 nur ein 'neues Spielzeug'. Aber mit der Zeit haben wir Details entdeckt, die sowohl für unsere Wärmepumpenanlage als auch für andere Regelungsprojekte sehr hilfreich waren: von den benutzerspezifischen Bezeichnungen, über umfangreichere Logging-Möglichkeiten, bis zu neuen und erweiterten Funktionen. Der 'Kalender' war beispielsweise der letzte Baustein für die vollautomatische Umstellung zwischen Heiz- und Kühlsaison, und unser Füllstandssensor (der 'Blubber' ;) ) wäre ohne 'Sample&Hold' und 'Kennlinienfunktion' nicht möglich gewesen. Inzwischen würden sich auch manche Anforderungen unserer Kunden – wie etwa die Übernahme externer Sollwert-Vorgaben vom KNX Bus - mit der UVR1611 gar nicht mehr umsetzen lassen.

Stichwort KNX: Das Smart Home nimmt (recht) langsam Fahrt auf. Wie stehen Sie zu diesem Thema? Wann ist Smart Home sinnvoll?
Kommt darauf an, was man im Detail unter diesem Schlagwort versteht. Z.B. halten wir es für sehr sinnvoll, einen Überblick über die aktuellen ‚wichtigen Betriebsparameter‘ eines Hauses zu haben und Daten zu loggen um Fehlerquellen zu identifizieren. Wenn aber Konzepte vorsehen, dass zwischen mir und dem Lichtschalter jetzt wirklich x Schichten Software / ‚Cloud‘ sein müssen, um mich beim Betreten des Zimmer in meiner Lieblingsfarbe zu begrüßen… dann sind wir etwas skeptisch ;-)

Wenn Sie sich etwas von uns wünschen könnten, was wäre das? Ein bestimmtes Produkt, Erweiterungsmodul oder eine neue TAPPS2 Funktion?
Vor allem der weitere Ausbau des CMI zur ‚Logging- und Management-Plattform‘ – z.B.: automatische Zeitsynchronisation aller Geräte am CAN-Bus, Anzeige und direktes Starten von Firmware Updates aller CAN-Bus Geräte – analog zum CMI selbst, Loggen beliebig vieler Modbus-Eingänge am CMI - direkt ins Logfile, mehr Kommandozeilen-Optionen in Winsol.

Es ist einiges in Arbeit, soviel dürfen wir an dieser Stelle verraten. Wir bedanken uns für das interessante Interview!

Sie haben sich auch auf die x2 Technologie mit UVR16x2 und RSM610 spezialisiert und haben auch Interesse an einer Vorstellung auf unserer Website? Dann schreiben Sie uns einfach.